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Gibt es einen Zusammenhang zwischen Psyche und Krebs?
Auf der Suche nach Ursachen für eine Krebserkrankung
stellen viele Menschen spontan einen Zusammenhang zwischen psychischen
Belastungen und Krebs her. Diese Vermutung wurde durch Ergebnisse der
neueren Forschung, insbesondere der Psychoneuroimmunologie*, in gewisser
Hinsicht unterstützt. Die These der Immunüberwachung geht davon
aus, daß bei jedem Menschen immer wieder vereinzelte Krebszellen
entstehen, die vom Immunsystem als fremd erkannt und von den Immunzellen
im Sinne einer Krebsabwehr vernichtet beziehungsweise unschädlich
gemacht werden.
Belastende Ereignisse, wie
z.B. der Verlust eines nahestehenden Menschen, können zu einer vorübergehenden
Schwächung einzelner Immunfunktionen führen.
So scheint es möglich, allerdings nicht bewiesen, daß belastende
Lebensereignisse oder -situationen über eine verminderte immunologische
Abwehr zur Krebsentstehung beitragen können. Diese These berücksichtigt
allerdings nicht die individuell unterschiedlichen Möglichkeiten,
einen solchen Verlust psychisch zu verarbeiten.
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch kein gesichertes Wissen darüber,
ob und wie unter dem Einfluß psychisch belastender Situationen das
Risiko einer Krebserkrankung zunimmt. Da zur Entstehung einer Krebserkrankung
immer mehrere, bisher nur teilweise bekannte Faktoren zusammenwirken,
ist zudem die Gewichtung möglicher psychischer Einflüsse außerordentlich
schwierig. Eingleisige Zuordnungen, etwa "wer viel Kummer hat, bekommt
leichter Krebs", sind auf keinen Fall gerechtfertigt.
Was ist dran an der "Krebspersönlichkeit"?
Schon in der Antike vermutete Hippokrates Zusammenhänge zwischen
der psychischen Verfassung "Melancholie" und der Entstehung
von Krebs. Diese Vermutung baute allerdings auf der Vorstellung auf, daß
durch ein Vorherrschen der schwarzen, zähflüssigen Galle der
ganze Organismus und auch die Seele "vergiftet" werde.
Bis heute wird über ein erhöhtes Krebsrisiko bei bestimmten
Persönlichkeitstypen spekuliert. Auch persönlichkeitspsychologische
Untersuchungen an Krebspatienten schienen die Annahme einer Krebspersönlichkeit
zu bestätigen. Krebspatienten zeichneten sich demnach aus durch depressive
Züge, einen angepaßten Lebensstil, eine Neigung zur Selbstaufopferung
sowie einen verringerten Ausdruck insbesondere negativer und aggressiver
Gefühle. In vielen Schriften, die sich an medizinische Laien richten,
werden solche Zusammenhänge als erwiesen dargestellt. Erst neuere
Untersuchungen an Personen, bei denen zwar ein Krebsverdacht bestand,
die Diagnose aber noch nicht gestellt war, konnten zeigen, daß die
als typisch geltenden Persönlichkeitsmerkmale eine Reaktion auf die
Krebserkrankung kennzeichnen. Damit läßt sich die These einer
Krebspersönlichkeit nach dem heutigen Wissensstand nicht weiter aufrechterhalten.
Kann man sich durch bestimmte Verhaltenweisen vor Krebs schützen?
Aus unserem derzeit noch sehr bruchstückhaften Wissen über seelische
Einflüsse auf die Krebsentstehung lassen sich keine Rezepte für
die Lebensführung ableiten. Außer dem Rat, bekannte krebsfördernde
Risiken zu vermeiden, kann es keine Empfehlung für eine Lebensweise
mit "Gesundheitsgarantie" geben. Als gesundheitsfördernd
im umfassenderen Sinn sollte man alles betrachten, was zum individuellen
seelischen Wohlbefinden beiträgt.
Die Tatsache des Diagnoseschocks
ist bekannt, wurde aber im ersten Moment "heruntergespielt"
und nie konkret untersucht. Ist dies unterlassene Hilfeleistung?
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