|
Die Veranstaltung solle dazu beitragen,
Frauen in ihrer Selbstbestimmung und Eigenverantwortung für ihre
Gesundheit zu stärken, hieß es etwas diffus in der Einladung.
Prof. Hans-Rudolf Tinneberg, der Direktor der Universitätsfrauenklinik,
der die Schirmherrschaft übernommen hatte, schrieb in seiner von
Ursula Passarge verlesenen Grußbotschaft, in »kritischer Auseinandersetzung«
wolle man dem Wunsch entsprechen, aus dem »Dunstkreis nicht konventioneller«
Methoden heraus gezielte Informationen zu gewinnen. Erfreulich nannte
er, dass die Organisatorinnen Wert darauf legten, diese Methoden grundsätzlich
den gleichen fundierten Wirksamkeitsprüfungen zu unterziehen wie
sie für konventionelle Diagnostik und Therapie gelten. Die Frauenbeauftragte
betonte, man wolle ein »Forum für kompetente Information«
bieten.
Einen - naturgemäß begrenzten -Einblick in »die Vielfalt
nicht konventioneller Heilungswege bei Krebserkrankungen« vermittelten
Referentinnen und Referenten in einer von der Rundfunkredakteurin Eva
Deppe moderierten Podiumsdiskussion und in späteren Workshops. Dabei
stellte die Licher Heilpraktikerin Johanna Sieberg ihr Gesundheitstraining
nach der Methode »Wildwuchs« vor, die Gießener Heilpraktikerin
Rosmarie Holerman informierte über den familientherapeutischen Ansatz,
»um die Botschaften des Körpers leichter zu verstehen«,
und Uschi Jonson (ebenfalls Gießen) präsentierte sich
als »Synergetik-Therapeutin und Profilerin«. Der
Physik-Ingenieur Bernd Joschko (Bischoffen-Rosbach) erläuterte dieses
»Synergetik-Profiling« als Aufdeckung von Krankheitshintergründen
(»Was macht krank - was heilt?«), während der
Lahnauer Heilpraktiker Friedel Brück die in seiner Praxis angebotene
Dunkelfeldmikroskopie als begleitende Diagnostik in Vor- und Nachsorge
beschrieb.
Im Laufe der von Helga Bayer moderierten Veranstaltung wurde von betroffenen
Frauen unüberhörbar der Wunsch nach einem »Brückenschlag«
zwischen Schulmedizin und nicht-konventionellen Diagnose- und Behandlungsmethoden
geäußert. Könnten Ansätze dazu aus der vierten Säule
der Krebsbehandlung neben Stahl, Strahl und Chemotherapie, der gezielten,
positiven Beeinflussung der körpereigenenn Abwehr erwachsen? »Krebs
ist keine Erkrankung des Organs, sondern eine Krankheit der Person«
hatte dazu einleitend Dr. med. Dagmar Uecker (Bad Soden) postuliert. Als
Ärztin für Innere Krankheiten und Naturheilverfahren aus der
»Schulmedizin« kommend, hat sie sich auf biologische Tumortherapie
spezialisiert. »Die Therapie kann nie auf die rein körperliche
Ebene reduziert werden«, betonte sie. Doch erschwere der Absolutheitsanspruch
der klassischen Onkologie ergänzende Heilbemühungen.
Die von Dr. Uecker am Beispiel der so genannten »Homotoxikologie«
geschilderte biologisch orientierte Krebsbehandlung als Sonderform der
Homöopathie beispielsweise bezieht neben der psychischen Begleitung
als erster und schwierigster therapeutischer Aufgabe auch Mistel- und
Thymuspräparate, so genannte »Antihomotoxika«, Antioxydantien,
Milzpolypeptide und Enzyme in das therapeutische Repertoire ein.
In der begleitenden Ausstellung konnten sich die rund 90 Teilnehmerinnen
- unter denen sich auch ein Frauenarzt verlor - nicht nur über die
verschiedenen Hilfsangebote von Selbsthilfegruppen der Region informieren.
Sie erfuhren, dass es in der Nachbarstadt Marburg eine »Naturheilkundliche
Tagesklinik« gibt, aber auch von asiatischen Pilzen, von denen neuerdings
Heilung erwartet wird.
Quelle: Giessener Allgemeine (2005-04-11)
Webseite: http://www.giessener-allgemeine.de/
Eingetragen von: Redaktion
veröffentlicht von 2005-04-12 bis 2005-06-12
|